Menschen tragen eine Erdkugel

Veredeln von Obstbäumen

Vermehrung von Obstbäumen - Sortenerhalt

Obstbäume können im Normalfall nicht durch Kerne bzw. Steine vermehrt werden. Ausnahme sind bestimmte Steinobstsorten, wie z.B. die Pfirsichsorte Kernechte vom Vorgebirge oder Wassenberger Sämling. Aber auch hier findet inzwischen die Vermehrung durch sogenannte Edelreiser (letzter Jahresaustrieb) statt, da durch Fremdbestäubung eine Veränderung der Sorte eintritt. Ansonsten bringt jeder Apfelkern immer eine neue Sorte hervor die allenfalls mit der Ursprungssorte verwandt ist aber meist völlig andere Eigenschaften besitzt. Meist entstehen sogenannte Wildlinge die für die Nutzung als Tafel- oder Wirtschaftsobst ungeeignet sind.

Neue Obstsorten entstehen generativ aus Zufallssämlingen und aus Züchtungen. Eine weitere Form der Entstehung ist die Mutation einzelner Knospen, aus denen Nachkommen mit neuen Eigenschaften gewonnen werden können. Beispiele hierfür sind der Rote Gravensteiner oder die Sorte Roter Boskoop. Will man die Eigenschaften der Ursprungssorte bewahren, ist nur eine Veredlung über einjährige Triebe der vorhandenen Obstbäume möglich. Bei der Veredlung gibt es eine Vielzahl von Verfahren. Dazu gehören u.a. das Rindenpfropfen, das Spaltpfropfen, das Okulieren und das Kopulieren, wobei das Rindenpfropfen wohl die häufigste Anwendung findet.

Die Kenntnisse zur Veredlung haben eine lange Tradition. Wann und wo die Veredelungstechnik begründet wurde, ist leider nicht bekannt. Die Phönizier sollen bereits um 1.000 vor Christus in ihren Gärten Obstbäume veredelt haben. Diese Kenntnisse wurden später durch die Römer weiter verbreitet. Sie hatten Baumschulen und auch die Mönche des Benedektiner- und Karthäuserordens besaßen Anfang des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung weit und breit gerühmte, ganz vorzüglich eingerichtete Baumschulen, die selbstverständlich Veredelungen vornahmen und zur Verbreitung der Obstsorten beitrugen.

Klöster, aber auch die Fürstenhäuser sorgten dann dafür, dass die Kenntnisse zur Veredelung von möglichst vielen Menschen erlernt und angewandt wurden. Das Veredeln oder Pelzen (belzen/pelzen = propfen - von latainisch propaginare) war im Mittelalter eine der vornehmsten Beschäftigungen im Gartenbau. Sie war den Pelzmeistern vorbehalten. Erste Beschreibungen finden sich im Pelzbuch des Meisters Gottfried von Franken, das um 1350 entstanden und in zahlreichen Abschriften in Europa kursierte. Ein weiteres Pelzbuch schrieb der Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586). Die Schrift über den Obstbau zum Unterricht seiner Unterthanen wurde ab 1571 unter dem Titel "Künstlich-Obst-Garten-Büchlein" in Umlauf gebracht. Dieser große Beförderer der Obstkultur führt stets einen hohlen Stock, mit Obstkernen gefüllt und auf der Reise viel Obstsamen in Säckchen bei sich, um überall Aussaaten machen zu können, sammelt viele Obstsorten, setzt besondere Prämien aus für die, welche sich in der Obstbaumpflanzung auszeichnen, und gibt wichtige Gesetze über Obstbau, z.B. jedes Ehepaar muss zwei Paar Obstbäume pflanzen und für deren Gedeihen sorgen. Im Obstbüchleich wird u.a. das Pfropfen beschrieben.

August von Sachsen veredelte auch selbst Obstbäume und sorgte für einen regen Austausch von Edelreisern unter den befreundeten Fürstenhäusern.

 

Obstveredlung im Schulunterricht

Früher war es selbstverständlich, dass auch Lehrern im Rahmen ihrer Ausbildung Kenntnisse zur Veredlung von Obstsorten vermittelt wurden und die Veredlung von Obstsorten im Unterricht geübt wurde. Dazu wurden auch sogenannte Baumschulen angelegt, in denen die Kenntnisse zur Obstbaumveredlung vermittelt wurden.

In der Zeitschrift der Obstbaumfreund (u.a. Ausgabe 1829) wurde aber immer wieder beklagt, dass es an der Umsetzung hapert und die Lehrer kaum ihre Aufgabe erfüllen würden.

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Nachfolgend noch einige Hinweise, was bei der Veredlung zu beachten ist.

  • Die Edelreiser (letzter Jahresaustrieb) werden im Winter an einem frostfreien Tag geschnitten und dann zunächst aufbewahrt - in einem feuchten Sandbett eingeschlagen - (siehe Abbildung unten).
  • Für die Veredlung sollte gutes Werkzeug, Okuliermesser etc. verwandt werden.
  • Die Veredlung selbst wird je nach Witterung am Beginn des Austriebs Mitte April bis Mitte Mai ausgeführt.
  • Die Schnittstellen vom Ast und den Reisern nicht mit den Händen anfassen.
  • Nach dem Einsetzen des Reises mit Bast fest verbinden.
  • Alle Schnittstellen vom Ast und Reisern müssen nach der Veredlung sorgsam mit Balsam verschlossen werden.
  • Sollten Sie Interesse an Apfelreisern haben, bitte rechtzeitig bis Ende November Sortenanfrage zusenden.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Erfurter Führer 1900

Philipp Held - Die Veredlung von Obstbäumen und Fruchtgehölzen

"Wer vielerlei Früchte ziehen will, und besitzt nicht viel Raum, der bringe mancherlei Sorten auf einen Baum."   Philipp Held

Wir möchten mit der Veröffentlichung der ausgezeichneteten Farbtafeln zum Werk von Philipp Held aus dem Jahr 1902 mit dem Titel "Die Veredelungen von Obstbäumen und Fruchtgehölzen" die vielen Möglichkeiten der Veredlung aufzeigen.

An dieser Stelle sei Bruno Bolli aus Lemgo gedankt, der uns die Originaltafeln zur Verfügung gestellt hat.

Hintergrundbericht zu Philipp Held und seinen Tafeln für die Obstsortenveredlung

 

Als besonderen Erfolg sehen wir einen Bericht zu den Tafeln und zur Restaurierung in der Zeitschrift Liebes Land an.

Auf 4 Seiten berichtet die Zeitschrift über die Tafeln und das Projekt des BUND Lemgo.

Den Bericht bieten wir hier als Download an:

Artikel_Liebes_Land

Dank an die Redaktion von Liebes Land für die Zustimmung den Artikel hier anzubieten.

Bestellung der 8 Farbtafeln im Format DIN A 3 und des Begleitheftes im Format DIN A 5 für 36,00 € (inkl. Versandkosten innerhalb Deutschlands) beim BUND Lemgo. Der Versand erfolgt gegen Rechnung. EU-Versand zuzüglich 4,00 €. Eine Laminierung der Tafeln ist gegen Aufpreis von 16,00 € möglich.

Einfach Email an kontakt@bund-lemgo.de senden und die eigene Anschrift nicht vergessen.

 

Auszüge aus den Originaltafeln – restauriert durch BUND Lemgo

 

Veredlung von Obstsorten

Experte John-Hermann Cordes zeigt die Technik der Okulation im Sommer und die Winterveredlung.

Sommerveredlung - Filmbericht 01  Filmbericht 02

Winterveredlung Filmbericht 03   Filmbericht 04