Menschen tragen eine Erdkugel

Naturnahe Gestaltung des Schulgeländes

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit auf dem Freigelände ihrer Einrichtungen. Auf dieser Sozialfläche werden Kontakte zu Mitmenschen und der Natur angebahnt und geprägt. Das Außengelände von Schulen und Kindergärten sollte naturnah und vielfältig gestaltet werden. Um Aggressionen abzubauen und Konflikte zu vermeiden, sollten genügend Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. In einem naturnahen Umfeld fühlen sich Kinder wohl. Das naturnah gestaltete Schulgelände bietet aber nicht nur Möglichkeiten zum Spielen und Toben, auch für den umweltpädagogischen bzw. Biologieunterricht bietet es umfangreiche Möglichkeiten.

Wünschenswert wäre nach dem Vorbild der Industrie auch eine Umweltzertifizierung von Schulen mit Zielkonzept, geplante Maßnahmen und regelmäßiger Überprüfung.

An dieser Stelle auch ein Dank an alle Schulen, die uns mit Bildmaterial und Informationen unterstützt haben.

 

Beispiele für naturnah gestaltete Außengelände von Kindergärten und Schulen

Schulfreigeände mit viel Platz zum Spielen und Toben


Statt Beton hat man hier Rasen eingesät. Die angepflanzten Laubbäume tragen nach und nach dazu bei, dass auch mehr Schattenplätze entstehen. Nach Schulende und in den Ferien wird dieses Gelände auch von Eltern mit Kindern genutzt. Somit hat man einen doppelten Nutzen der Anlage.

Im Randbereich des Geländes könnte man noch eine Mischhecke mit heimischen, standortgerechten Gehölzen anpflanzen. Dazu gehören dann auch Vogelschutzgehölze, Vogelnährgehölze und Stauden, Sträucher und Bäume die als Bienenweide geeignet sind. 

Für den Biologieunterricht bieten sich damit vielfältige Möglichkeiten zur Bestimmung von Tier- und Pflanzenarten. Aber auch die Verarbeitung der Wildfrüchte einer Mischhecke hat ihren besonderen Reiz.

Hackschnitzel sorgen für Spielplatzsicherheit


Statt Sand, in dem gerne Katzen ihren Kot eintragen, werden hier Hackschnitzel unter den Spielgeräten eingebracht. Ein Sturz wird dadurch gut abgefedert. Zudem siedeln sich unterhalb der Mulchschicht Regenwürmer an, die für eine Drainage im Boden sorgen, so dass auch bei starken Regenfällen keine Wasserlachen entstehen.    

Andere Fallschutzsysteme haben zwar meist eine längere Lebensdauer, sie sind aber mit höheren Kosten verbunden, verbrauchen bei der Herstellung begrenzt vorhandene Rohstoffe und versiegeln den Boden. Da die Hackschnitzel nach und nachbiologisch abgebaut werden, muss alle paar Jahre eine neue Schicht aufgetragen werden.

Sitz- und Arbeitplatz im Freigelände – Negativbeispiele


Für Kleingruppen wurde im Bild Nr. 01 ein Sitz- und Arbeitsplatz im Freigelände eingerichtet. Was fehlt ist eine Baumanpflanzung, die für eine Beschattung sorgt oder eine Eingrünung mit einer Mischhecke. Auch sollte die Anzahl der Sitzplätze eher für 5 - 8 Personen angeboten werden. Die gewählten Materialien für Sitzplatz und Tisch sind auch nicht unbedingt geeignet. Mitten auf einer Freifläche wird die Sitzmöglichkeit kaum angenommen.

Bild Nr. 02 ist noch schlimmer. Ein fast vollständig gepflasteter Schulhof. Die Sitzmöglichkeiten schränken die Kommunikationsmöglichkeiten massiv ein. Eine vernünftige Beschattung durch die Kugelkopfbäume ist auch nicht gegeben.   

Die Bilder Nr. 03  und Nr. 04 zeigen Beispiele die eher dazu beitragen sich nicht wohl zu fühlen bzw. eine Nutzung ausschließen. Da besteht auch die Gefahr, dass die Kleidung beschädigt oder verschmutzt wird. Bei starkem Sonnenschein ist die Sitzmöglichkeit von Foto 03 kaum zu nutzen und wer setzt sich schon gerne mitten in eine Freifläche. Bild 4 ist zudem ein Negativbeispiel in Sachen Kommunikation. Wenn sich hier eine Gruppe von Schülern unterhalten möchte, muss ein Teil der Gruppe stehen bleiben. Die Folge ist, solche Angebote kosten nur Geld und haben so gut wie keinen Nutzen.

Planungsfehler vermeiden

Um solche Planungsfehler zu vermeiden müssen die Planer verpflichtet werden Schülern, Lehrern und Eltern frühzeitig im Vorfeld die Möglichkeit zu geben sich Gedanken zu machen und Vorschläge einzubringen. Ebenso sollten sie aktiv am Entscheidungsprozess beteiligt werden.

 

 

 

 

Fahrradeinstellplätze

Zum Außengelände gehört natürlich auch ein Fahrradeinstellplatz der den Namen verdient. Eine Überdachung ist sinnvoll und wie das links stehende Beispiel zeigt, kann er auch gut in das Schulgelände eingepasst werden. Das Beispiel rechts zeigt wie es nicht aussehen sollte. Dabei wäre es relativ einfach zumindest die alten Halterungen komplett zu entfernen und durch Bügel zu ersetzen. Dies setzt natürlich voraus, dass die Verantwortlichen ein Interesse an einer vernünftigen Konzeption haben. Dem Ansehen einer Schule sind solche vernachlässigten Unterstellplätze nicht gerade förderlich.

Umweltbewusstes Verhalten fördern erfordert neben vernünftigen und sicheren Fahrradeinstellplätzen zudem eine entsprechende Gestaltung auf dem Weg zur Schule. Entweder sollten durchgängige Radwege zur Schule vorhanden sein oder vorhandene Nebenstraßen als Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Schüler- und Elternvertretungen können mit dazu beitragen, dass vernünftige Konzepte entstehen.

Wir danken der Firma E. Ziegler Metallbearbeitung AG für die kostenfreie Bereitstellung des Fotos links mit dem vorbildlichen Konzept zu einem Fahrradeinstellplatz. www.ziegler-metall.de  

So sollten Fahrradeinstellplätze nicht aussehen

So sollten Fahrradeinstellplätze aussehen


Sitz- und Arbeitplatz im Freigelände - Positivbeispiele


Die oberen Beispiele rechts zeigen recht robuste Varianten einer Sitzecke, die auch nicht so schnell zerstört werden kann. Mit den Gittersteinboxen lassen sich auch Klassenzimmer im Freien gestalten. Statt des Schotteruntergrundes wäre eine Wiese oder wie im Beispiel 2 eine Hackschnitzelunterlage sicher sinnvoller. Damit man an heißen Tagen nicht der prallen Sonne ausgesetzt ist, sollten auch hier noch Bäume angepflanzt werden. Walnussbäume sind dabei besonders geeignet, weil sie die Insekten fern halten.

Anstelle des großen Steines im Besipiel 1, der hier als Tisch dient, könnte man z.B. auch einen alten Mühlstein nehmen.

Das dritte Beispiel aus einem Garten könnte genau so gut auf einem Schulgelände eingerichtet werden. Nur müsste man die Bänke wahrscheinlich im Boden verankern, damit sie nicht gestohlen werden.

Das Beispiel 4 zeigt eine Sitzecke in einer Pergula. Durch das im Tisch eingelassene Schachbrett ist eine doppelte Nutzung möglich. Auch die Beschattung ist gut eingeplant.

 

Das Grüne Klassenzimmer


An schönen Tagen und bei bestimmten Themen kann man den Unterricht auch ins Freie verlegen. Dazu benötigt man aber im Freigelände ein entsprechendes Klassenzimmer. Bei der Anlage sollte man darauf achten, dass Bäume zur Beschattung vorhanden sind. Solche Ecken lassen sich auch für eine Grillfeier nutzen. Hier einige Beispiele für ein sogenanntes Grünes Klassenzimmer:

 

Die Beispiele 18 (Gaucher - Handbuch der Obstkultur 1889) und 19 (Sickler - Der teutsche Obstgärtner 1814) zeigen eine Alternative, die vor rund 200 Jahren für Gartenecken konzipiert worden sind. Es sind Gartenlauben mit Spalierobst. Hier handelt es sich dann um echte "Grüne Klassenzimmer" mit doppeltem Nutzen. Sie wären ideal für den Biologieunterricht, weil der Jahresrytmus der Bäume vom Austreiben der Blätter, über die Blüte und ihre Befruchtung bis hin zur Obstreife beobachtet werden kann. Das Obst könnte zudem in der Schule genutzt werden. Auch für einen kühlen Schattenplatz wäre gesorgt. Im Unterschied zu oftmals in Kindergärten aufgebauten Weidentipis kämen hier die vielfältigen Beobachtungs- und Nutzungsmöglichkeiten dazu.

Nr. 20 zeigt eine alte Pergula. Hier wurden vorhandene Altbäume genutzt und dazwischen eine Buchenhecke gepflanzt. Zur Umgestaltung in ein Klassenzimmer fehlen noch Bänke und Tische. Wir danken den Schulen für die Zustimmung zur Bereitstellung der Bilder.

Die Errichtung eines Schulkindergartens mit Außengelände

In einer alten Dokumentation aus dem Jahre 1809 des Pomologen und Pfarrers Johann Volkmar Sickler findet man einen Plan für die Gestaltung eines Kindergartens. Schon damals gab es viele Grün- und Spielflächen für Kinder und einen botanischen Lehrgarten für den Unterricht der Kinder und ein Küchengarten war eingeplant. Ebenso ein Kuhstall um die Kinder mit frischer Milch zu versorgen.

Hecken, Laub- und Obstbäume gehörten damals wie selbstverständlich zum Kindergarten.  
 


Schulhof- und gebäudegestaltung – Nutzung für den Biologie- und den Umweltunterricht

Gründach und Photovoltaikanlage


Ein Schuldach kann auch für die Errichtung einer Photovoltaikanlage genutzt werden. In Kombination mit einem Gründach gibt es vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für den Unterricht. Entsprechende Sicherheitsvorschriften müssen dabei beachten werden. Eine Anzeigentafel zur Leistung der Anlage sollte dabei nicht fehlen.

Wichtige Vorteile eines Gründaches werden oft nicht beachtet. Durch die Isolierwirkung werden Heizkosten eingespart und im Sommer bleibt das Klima in den Räumen angenehm kühl. Dazu kommt die Regenwasserrückhaltung bei der auch Niederschlagswassergebühren eingespart werden können.

Die Finanzierung ist ggfs. auch durch die Firmengründung mit Beteiligungen der Lehrerinnen und Lehrer möglich.

 

Die Errichtung einer Wildbienenwand


Die Errichtung einer Wildbienenwand auf dem Schulgelände im Rahmen Projektwoche ist eine Möglichkeit, Schülerinnen und Schülern Naturbeobachtung zu ermöglichen und das Naturverständnis zu fördern. Weitere Informationen zur Errichtung einer Wildbienenwand finden Sie hier:http://www.bund-lemgo.de/bau-einer-wildbienenwand.html

 

Unterrichtsprojekt Obstwiese


Die Anlage einer kleinen Streuobstwiese auf dem Schulgelände schafft vielfältige Möglichkeiten zur Beobachtung bis hin zur Nutzung des Obstes. Es muss aber nicht unbedingt eine Obsgtwiese auf dem Schulgelände sein. Denkbar ist z.B., dass die Schule eine Patenschaft für eine Ausgleichsfläche der Kommune übernimmt, auf der Obstbäume angepflanzt werden. Dies müsste auch im Interesse der Kommune sein, weil damit eine Betreuung des Geländes verbunden ist. Auch die Übernahme einer Patenschaft für Bäume auf einem Betreuungsgelände einer Umweltgruppe oder eines Gartenbauvereins sind denkbar.

Informationen zur Pflanzung von Obstbäumen finden Sie hier: http://www.bund-lemgo.de/obstbaumpflanzung.html

 

Eine Kräuterspirale im Schulgarten


Die Anlage einer Kräuterspirale im Schulgarten ist eine sinnvolle Aufgabe in einer Projektwoche. Sie bietet auch für den Biologieunterricht sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten. Weitere Informationen zur Anlage einer Kräuterspirale finden man hier http://www.bund-lemgo.de/kraeuterspirale.html  

 

Ein Bienenschaukasten im Schulgarten


Neben einer Wildbienenwand könnte auch ein Bienenschaukasten errichtet werden. Hinter Glas lassen sich sehr gut die Entwicklung eines Bienenvolkes und seine Verhaltensweisen beobachten. Ein solcher Schaukasten macht allerdings nur Sinn, wenn die Betreuung auch in Ferienzeiten gesichert ist. Ergänzend sollten dann auf dem Schulgelände auch Bienennährgehölze angepflanzt werden. 

 

Eine Trockenmauer als Bereicherung für das Schulgelände


Auf dem Schulgelände ist eine Trockenmauer immer eine Bereicherung. Sie sollte immer Richtung Süden ausgerichtet und eine Beschattung sollte grundsätzlich vermieden werden. Für den Biologieunterricht bietet sie vielseitige Beobachtungsmöglichkeiten. Eine Trockenmauer kann auch als Grenzbefestigung für einen Garten oder eine Obstwiese dienen. Informationen zum Baum einer Trockenmauer können beim BUND Lemgo angefordert werden. Schriftenverzeichnis siehe unten.

  Trockenmauer

Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse


Die Herstellung und Anbrinung von Nisthilfen ist eine sinnvolle Aufgabe in einer Projektwoche. Nisthilfen bieten auch für den Biologieunterricht Möglichkeiten zur Beobachtung und Dokumentation. Weitere Informationen findet man unter http://www.bund-lemgo.de/Vogel-_und_Artenschutz_.html

 

Wandbegrünungen am Schulgebäude

Es gibt an vielen Schulen kahle Wände die überhaupt nicht genutzt werden. Wandbegrünungen verbessern das Wohlgefühl, tragen zu einem besseren Innen- und Außenklima bei und wie das Beispiel rechts von einer privaten Hauswand zeigt, können Wände auch für die Anbringung von Spalierobst genutzt werden.

Im Rahmen einer Umwelt- oder BIO-AG kann die Planung, Durchführung und fortlaufende Betreuung stattfinden.

 

 

Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Schulgelände


Oftmals gibt es Springstunden an Schulen oder die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesenen Schülerinnen und Schüler sind frühzeitig vor Unterrichtsbeginn an der Schule oder müssen nach Schulschluss noch längere Zeit auf Bus oder Bahn warten. Hier wäre z.B. eine Schachecke eine Möglichkeit für eine sinnvolle Betätigung.

Das zweite Beispiel zeigt Tischtennisplatten aus massivem Stein, die ebenso ein Angebot zur Betätigung für Schülerinnen und Schüler sind.

Weiteres Infomaterial gibt es beim BUND Lemgo. Hierzu haben wir ein Schriftenverzeichnis erstellt.
Bitte fügen Sie den Gesamtbetrag bei Bestellungen bis 20 € in Briefmarken bei (ansonsten erfolgt die Lieferung gegen Rechnung) und verwenden Sie einfach die Bestellvorlage im PDF-Format.

Weitere Positiv- und Negativbeispiele zur Gestaltung von Schulgeländen nehmen wir gerne auf.


Hier noch einige Links zu Broschüren und Informationen zum Thema Schul- und Kindergartengelände:

http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/Bi_spieltraeume.pdf

http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/publikat/pdfs/schulgelaende/mappe-schulgelaende.pdf

http://www.bag-schulgarten.de/

http://www.martina-hoff.de/hoff/pdf/beratungsmappe-schulgelaende.pdf

http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/publikat/br_10.htm

http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/publikat/br_11.htm

http://www.nachhaltigkeit-im-kindergarten.de/materialien_activity_kinderbuchreihe.aspx