Menschen tragen eine Erdkugel

Kopfweidenschnitt

Lemgo, 30. Januar 2006

Sie sind in Lemgo selten geworden, die Kopfweiden. Man findet diese
imposanten Bäume in Feuchtgebieten und am Rande von Bach- und Flussläufen.
Ihre unglaubliche Wuchskraft machten sich die Menschen bis vor wenigen
Jahrzehnten zu Nutze. Man köpfte die jungen Stämme und erntete die
entstehende Ausschläge regelmäßig für Korbwaren, Fachwerkbau und sonstige
Flechtarbeiten. Die Kopfweiden sind Zeugen einer alten Wirtschaftsform
unserer Heimat und haben heute eine große Bedeutung im Naturschutz, denn sie
haben "tierisch" viele Untermieter. Besonders alte Kopfweiden mit
Faulstellen bieten zahlreichen Insekten Nahrung und Brutstätte. Wo die
Larven von Bockkäfern und vielen Schmetterlingsarten leben, sind hungrige
Vögel wie z.B. Spechte und Baumläufer nicht weit. Sie dienen auch den
Höhlenbrüter wie z.B. dem Steinkauz als Quartier sowie Fledermäusen und
Hornissen.

Kopfweidenschnitt-2006-02 P01.jpg

Da die wirtschaftliche Nutzung nicht mehr gegeben ist, ist ein regelmäßiger
Schnitt notwendig geworden. Sonst würden die Bäume auseinanderbrechen. Im
Langen Grund in Kirchheide hat die Lemgoer Ortsgruppe des BUND in
Kooperation mit der Biologischen Station Lippe nun 17 Bäume geschnitten. Bei
widrigen Witterungsbedingungen war dies Schwerstarbeit. Weil Fahrzeuge in
dem Sumpfgebiet nicht eingesetzt werden können, mussten die dicken Stämme
und Äste über lange Strecken herausgetragen werden. Insgesamt 3 Tage
Arbeitseinsatz waren notwendig. Holz und Häckselmaterial fanden schnell
Abnehmer. Eine Grundschule konnte zugleich mit Flechtmaterial versorgt
werden. Im nächsten Jahr steht der zweite Teil der Kopfweiden auf der
Tagesordnung. Der Weidenschnitt erfolgt in zwei Etappen, damit den
Kleinstinsekten nicht die Nahrungsquelle entzogen wird.


Für die Veröffentlichung im voraus recht herzlichen Dank.

gez. Willi Hennebrüder
- Pressesprecher -

Foto: Bundmitglieder beim Kopfweidenschnitt