Menschen tragen eine Erdkugel

Streuobstwiese am Lindenhaus

Die BUND-Ortsgruppe betreut seit Anfang der 90er Jahre in Lemgo am Lindenhaus hinter dem Amtsgericht eine alte Streuobstwiese. Das Gelände gehörte ehemals zum Schloss Brake.

Karte Lindenhaus - Anfahrt über Pagenhelle - Schlossstraße - Lindenhaus - (dem Wegweiser Feuerwehrausbildungszentrum folgen)

Für Freunde des Geochachings gibt es auch einen Punkt im Bereich der Streuobstwiese http://coord.info/GC4J7KQ

Historie

Der Obstbau am Schloss Brake geht bereits auf das 16te Jahrhundert zurück (div. Quellen). Im Mittelalter war hinter dem Schloß ein Eichenwald mit einer Thingstätte (alte Gerichts- und Versammlungsstätte). Hier wurden um 1550, nach der Weigerung der Lemgoer Bürger vom evangelischen Glauben abzulassen, Reformationsgespräche geführt und 1555, nach dem Augsburger Religionsfrieden, hielt Graf Bernhard dort eine Landessynode ab (Quelle: Süvern - Brake).

Nach wechselvollen Zeiten übernahm Graf Simon VI (1554 - 1613) die Regierung des Landes Lippe. Er kaufte und tauschte in den Jahren 1588 bis 1590 Land zur Anlage eines Lustgarten nördlich des Schlosses. Begonnen wurde mit dem Projekt 1589. Im April 1589 kam Kunde aus Vlotho, die das Ankommen der "Bäume und Rießer" ankündigte, die von Holland geschickt wurden (Sauer: Burg und Schloß Brake). Mit Rießern dürften Edelreiser gemeint sein, die dann vor Ort vom sogenannten "Lustgärtner" auf Wildunterlagen aufgepfropft wurden.

Weiter ausgebaut, bzw. vollendet wurde der Lustgarten mit den Baumhöfen zur Blütezeit des Hauses Brake von Graf Casimir zur Lippe Brake (1627-1700). Wilhelm Süvern beschreibt in seinem Buch "Brake", dass der Ostflügel des Schlosses 1666 fertig gestellt wurde und dass durch die Kunst des Lustgärtners Meister Arend Otto und seines Sohnes Johann Nevelin wird das Gelände zu einem großen Park umgestaltet.

Auf einem Kupferstich (datiert um 1726) ist ein Garten mit hochstämmigen Obstbäumen und zwei Plantagen mit französischen Obstbäumen vermerkt. Auf einer Karte von J.R. Heimburg, die um das Jahr 1778 entstanden ist, sind zwei Baumhöfe (Obstwiesen) eingezeichnet (s. Karte unter e und d), die der jetzigen Lage der Streuobstwiese entsprechen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Streuobstwiese an die Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus verpachtet, die durch Initiative von Fürstin Pauline gegründet wurde. In den Akten ist vermerkt: "Nach Reskript hochfürstlicher Rentkammer vom 7. Dezember 1804 sind der Irrenanstalt überlassen: der große Baumhof zu 17 Scheffel, 3 Metzen, der kleine Baumhof zu 6 Scheffel, 2 Metzen." (Scheffel und Metzen = alte Lippische Flächenmaße). Rechnet man die Flächen um, umfassten die beiden Baumhöfe mit den Obstbaumanpflanzungen rund 4 ha Fläche.

Die nebenstehende Karte aus dem Jahre 1850 zeigt das gesamte Lindenhausareal mit den beiden Obstplantagen. Leider gibt es keine Aufzeichnung über die damals vorhandenen Obstsorten. In den Gärten sollten die Kranken körperlich arbeiten, spielen, spazieren und Zerstreuung finden. Hauptziel war aber die Eigenversorgung von Personal und Patienten. Die "Irrenanstalt" Lindenhaus existierte bis zum Jahr 1951. Später gelangte das Gelände dann in das Eigentum des Kreises Lippe.

     

Ende der 80er Jahr plante man den Obstgarten in Bauland umzuwandeln. Nach Protesten übernahm 1989 der BUND Lemgo die Obstwiesen zur Betreuung. Inzwischen gehören Sie zum Naturschutzgebiet Begatal.Die Historie zeigt, dass die Streuobstwiese wohl einer der ältestesten Obstwiesen ist, die in ihrem Bestand erhalten werden konnte. Weitere Informationen zur Historie des Ortes Brake und des Schlosses Brake finden Sie unter: http://www.lemgo-brake.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nutzung und Pflege durch den BUND-Lemgo

Die Obstwiese wird als Mähwiese bzw. als Weideland für Schafe genutzt. Dabei kommen vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen – Ostfriesische Milchschafe und Bentheimer Landschafe – zum Einsatz.

Die Früchte dienen als Tafelobst oder werden zu naturreinem Apfelsaft, Apfelwein oder Apfelmus verarbeitet. Für die Bestäubung der Obstblüten sorgen Honigbienen und produzieren so ganz nebenbei ausgezeichneten Obstblütenhonig. Ziel des Eigenanbaus von Obst ist auch auf die Bedeutung des Bezugs von Produkten aus der Region aufmerksam zu machen. Durch den Eigenanbau und den Kauf regionaler Produkte wird ein wertvoller Beitrag zur Energieeinsparung geleistet. 

Zu den Pflege- und Betreuungsmaßnahmen gehört die Neuanpflanzung alter lokaler und historischer Sorten, der Pflege- und Verjüngungsschnitt der Obstbäume, die Pflege der Schutzhecke.

Letztendlich dient die unter Naturschutz stehende Streuobstwiese Lemgoer Bürgern als Naherholung. Bei einem Spaziergang können sie die Vielfältigkeit der Natur genießen und sich am Gesang der Vögel erfreuen.

 

Die Obstwiese als Lebensraum

Im Gegensatz zum intensiv bewirtschafteten Plantagenobstbau mit wenigen Obstsorten wurde in Streuobstwiesen schon immer auf den Einsatz von
chemischen Spritzmitteln und Kunstdünger verzichtet. Die Sortenvielfalt war neben einer umgebenden Schutzhecke ein prägender Bestandteil. Somit haben Streuobstwiesen einen hohen ökologischen Wert für eine mannigfaltige Tier- und Pflanzenwelt.

Von besonderer Bedeutung ist der Höhlenreichtum alter Bäume für Vogelarten wie Specht oder Meise, aber auch für Marder, Fledermäuse und Hornissen. Zur Blütezeit finden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge reichlich Nahrung. Fotos zum Lebensraum Streuobstwiese gibt es auch auf den Internetseiten der Foto-AG des BUND Lemgo http://www.bund-lemgo-naturfoto.de/coppermine/thumbnails.php?album=92

Geocachpunkt 2 an der Streuobstwiese Lindenhaus

::: Koordinaten:   N 52° 01.402' -  E 008° 55.092'