Apfelallergie
Bereits 20 Prozent der Allgemeinbevölkerung in westlichen Ländern leiden unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit – Tendenz steigend.
Laut Aussage des Allergologen Professor Dr. Karl-Christian Bergmann von der Berliner Charité beträgt der Anteil der Betroffenen inzwischen rund 4 Millionen Bundesbürger.
Das die Hitliste der auslösenden Nahrungsmittel sehr unterschiedlich ist, beschrieb Prof. Stephan Bischoff von der Universität Stuttgart-Hohenheim auf der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung - Sektion Baden-Württemberg Mitte Oktober 2006.

Allergen ist nicht gleich Allergen
Prof. Hans Steinhart, Lehrstuhl für Lebensmittelchemie an der Universität Hamburg, erklärte, dass nur die ganz bestimmte Anordnung der Aminosäuren in einem Lebensmittel für eine Allergie verantwortlich ist. Allerdings kann die Aneinanderreihung der Aminosäuren durch Bearbeitung in der Produktion oder in der Küche verändert werden. Rohe Früchte sind für viele Apfelallergiker nicht geeignet. Werden die Äpfel vor dem Verzehr gekocht, haben die Betroffenen keine Probleme. "Deshalb ist Apfelmus meist allergenfrei", so Steinhart in seinen Ausführungen. Die Allergie hervorrufenden Eiweißbausteine werden durch das Kochen der Äpfel zerstört oder verändert und sind daher für den Allergiker nicht mehr gefährlich.
Pestizide, die wir unwissentlich mit Obst zu uns nehmen, stellen nach diversen Publikationen eine weitere Belastung unseres inneren Milieus dar, wobei die Wirkung dieser körperfremden Chemikalien und ihre gegenseitigen Interaktionen größtenteils undurchsichtig sind. Ursache für allergische Reaktionen kann daher auch der Chemieeinsatz sein. Hier hilft nur die Unterstützung des ökologischen Landbaus durch gezielten Einkauf ungespritzter Lebensmittel.
Auch aus diesem Grund wird in der Streuobstwiese des BUND-Lemgo keinerlei Chemie eingesetzt.
Welche Auswirkungen eine viel zu frühe Ernte auf das Allergenpotenzial hat, ist nach unseren Erkenntnissen noch nicht untersucht worden.
Das Problem mit vielen der neuen Apfelsorten
Was den Obst-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, können viele Allergiker nur mit Wehmut betrachten. Für sie kann der Verzehr von Äpfeln zur Qual werden. Warum die Früchte allergische Reaktionen auslösen, wollten Wissenschaftler der Universität Hohenheim wissen.
Die Lebensmitteltechniker untersuchten gemeinsam mit Medizinern der Uni Hamburg alte und neu gezüchtete Apfelsorten und kamen zu einem interessanten Ergebnis:
Eine Schlüsselrolle spielen die so genannten Polyphenole, die in Pflanzen beispielsweise als Farb- oder Geschmacksstoffe vorkommen. Sie sind vor allem in den alten Apfelsorten wie etwa Boskoop enthalten. Die neuen Apfelsorten weisen dagegen nur geringe Mengen von Polyphenolen auf - sie wurden wegen des säuerlichen Geschmacks und der schnelleren Bräunung nach Anschnitt des Apfels weitestgehend herausgezüchtet.
Welche der alten Apfelsorten für Allergiker aber besonders verträglich sind, ist kaum untersucht. Bei unseren Recherchen sind wir nur auf Altländer Pfannkuchenapfel, Goldrenette Freiherr von Berlepsch, Gravensteiner, Jonathan, Landsberger Renette, Minister von Hammerstein, Roter Berlepsch, Roter Boskoop, Schöner aus Boskoop, Weißer Klarapfel und Wintergoldparmäne gestoßen. Als weniger geeignet werden Cox Orangenrenette und Golden Delicious und von den neueren Sorten Braeburn, Granny Smith und Jonagold genannt.
Für Diabetiker geeignet sind u.a. Alkmene, Champagner Renette, Gehrers Rambur, Gelber Edelapfel, Idared, Lanes Prinz Albert, Ontario und Uhlhorns Augustkalvill. Da der Zuckergehalt während der Lagerung abnimmt, sollten Diabetiker schon länger gelagerte Äpfel bevorzugen bzw. die zur Lagerung geeigneten Sorten selbst einlagern.
Umfassende Informationen zum Thema Polyphenole finden Sie hier: Polyphenole
Neue Hoffnungen durch Apfelkonsum auch bei Kreuzallergien
Bei einer Apfelallergie im Zusammenhang mit einer Birkenpollenallergie lässt sich durch in kleinen Schritten erhöhten Verbrauch von Äpfeln eine Toleranz erzeugen. Zu diesem Schluss kommt eine Schweizer Studie, die in der Fachzeitschrift Allergy (2012-67: S. 280-285) publiziert wurde.
Apfelallergien treten oftmals erst nach Jahren auf
Die Ursachen dafür sind unbekannt. So erging es auch Christina Tippelt aus Leopoldshöhe. Nach ihrer zweiten Schwangerschaft reagierte sie auf einmal allergisch auf Äpfel. Auch Äpfel vom Biobauern waren keine Lösung. Sie hatte schon die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder ihre geliebten Äpfel essen zu können. Durch Zufall entstand ein Kontakt zum BUND Lemgo und von dort erhielt sie das Angebot, doch einmal alte Apfelsorten zu probieren. Nun hat sie schon mehrere Sorten gefunden, die sie ohne Probleme essen kann. Den gesamten Bericht zu den Erfahrungen von Christina Tippelt lesen Sie hier (Pressemitteilung-Apfelallergie).
Da es bisher kaum Informationen zu den verträglichen Sorten für Apfelallergiker gibt und wir nichts von genmanipulierten Sorten für Allergiker halten, starten wir ein eigenes Projekt.
Allergiker helfen Allergikern
Ergebnisse zum Projekt des BUND Lemgo - Start 2007
Da wir den Allergikern helfen möchten, selbst aber keine finanziellen Mittel für entsprechende Forschungsaufträge haben, sind wir auf die Idee gekommen, auf die Erfahrungen von Allergikern zurückzugreifen.
Wir bitten Allergiker uns mitzuteilen, welche Apfelsorten sie problemlos essen können und welche nicht verträglich sind. Bedingung wäre, dass es sich bei den getesteten Apfelsorten um unbehandelte Äpfel handelt um ausschließen zu können, dass z.B. eingesetzte Spritzmittel die eigentliche Ursache für die Apfelallergie sind. Basis der Liste sind die Apfelsorten aus dem Werk "Deutschlands Obstsorten". Ergänzt um die Sorten aus der Streuobstwiese am Lindenhaus und von Allergikern gemeldete Apfelsorten. Die in der Obstwiese vorhandenen Sorten sind fett und kursiv geschrieben.
Zur Auswertung noch ein Hinweis von einem Allergiker. Da die allergischen Reaktionen von Fall zu Fall bzw. von Person zu Person unterschiedlich sind, hilft es manchmal einfach den Apfel zu schälen. Dabei bleibt natürlich die Frage offen, ob der Bioapfel, auf den man allergisch reagiert, doch gespritzt wurde oder z.B. Spritzmittel aus der daneben liegenden konventionellen Anlage oder von einem naheliegenden Acker abbekommen hat. Wegen dieser Problematik bitten wir um Verständnis, dass wir uns auf die einfache Darstellung verträglich und unverträglich beschränken.
Da die alten Apfelsorten meist nicht auf den Obstmärkten zu kaufen sind, noch der Hinweis auf unsere Internetseite mit den Bezugsquellen für den Kauf von Obstbäumen mit alten Sorten. Hier besteht also die Möglichkeit, die alten Sorten für den eigenen Garten zu kaufen.
Inzwischen erhalten wir aus dem gesamten deutschsprachigem Raum Mitteilungen zu verträglichen und unverträglichen Apfelsorten, die wir in die Statistik einpflegen. Bei den Rückmeldungen sind sehr viele Personen dabei, die zum ersten Mal nach 20 und mehr Jahren wieder Äpfel probiert haben und begeistert sind, dass sie diese ohne jeglichen Probleme essen können. Ein Nebeneffekt des Apfelkonsums ist dann auch, dass Verdauungsprobleme beseitigt werden. Das ein täglicher Apfelkonsum gut für die Gesundheit ist, brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter auszuführen.
Aus den Reihen der Apfelallergiker hat uns eine Nachricht erreicht, die den Konsum generell betreffen. Dort hat man die Erfahrung gesammelt, dass kurz eingefrorene Äpfel (1 - 2 Tage) nach dem Auftauen problemlos gegessen werden können. Ob dies für alle Allergiker gilt kann nicht gesagt werden. Problem dürfte aber auch sein, dass mit dem Einfrieren auch Geschmackskomponenten verloren gehen.
Alte Apfelsorten aus biologischem Anbau
Lieferantenliste alte Apfelsorten
Für uns ist unverständlich, dass man im biologischen Anbau auch auf die anfälligen Einheitssorten des herkömmlichen Anbaus setzt, statt die robusten Sorten anzupflanzen. Hier ist dann der Einsatz biologischer Spritzmittel notwendig. Die für Allergiker verträglichen alten Sorten gibt es daher kaum im Handel. Wir haben eine Liste von Obstlieferanten zusammengestellt, bei denen auch alte, für Allergiker verträgliche Apfelsorten angeboten werden. Anforderung der Liste unter kontakt@bund-lemgo.de.
Bitte teilen Sie uns per E-mail mit, welche der nachfolgenden Apfelsorten Sie als Allergiker vertragen konnten und welche nicht.
Alternativ können Sie Meldeliste ausfüllen und uns zusenden.
Apfelallergie Meldeliste
Für ergänzende Sortenhinweise und Anregungen sind wir Ihnen dankbar.
Apfelallergiker mit Wohnsitz im Raum Lippe können auch gerne an unserer jährlichen Führung mit dem Motto "Probieren geht über studieren" teilnehmen und vor Ort die Sorten testen bzw. einzelne Äpfel zum Test mit nach Hause nehmen. Die Veranstaltung findet meist im September statt und wird rechtzeitig im Internet und in der Presse angekündigt.
Für Ihre Unterstützung recht herzlichen Dank.
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BUND Lemgo startet in Kooperation mit dem Pomologen Eckart Brandt und seiner Frau Judith Bernhard ein bundesweites Projekt um Apfelallergikern zu helfen.Es gibt Allergiker mit einer Nahrungsmittelallergie, die seit Jahren keinen Apfel mehr gegessen haben. Viele von Ihnen wissen gar nicht, dass die Allergie sortenspezifisch sein kann. Da insbesondere alte Apfelsorten als verträglich gelten, diese aber im Handel nicht bzw. nur sehr selten erhältlich sind, wurde die Idee geboren, den betroffenen Allergikern ein Probierpaket anzubieten. Mit Judith Bernhard und Eckart Brandt aus dem Alten Land hat der BUND Lemgo Projektpartner gefunden, die sich ebenso engagiert für den Erhalt alter Obstsorten einsetzen und die auf Basis der Erfahrungsliste des BUND Lemgo nun Apfelsorten anbieten. Informationen zum Angebot gibt es unter: Boomgardenshop Wir hoffen, dass es nun noch mehr Menschen gibt, die wieder problemlos Äpfel genießen können.
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Judith Bernhard & Eckart Brandt |
Berichterstattung der Presse über das Projekt des BUND-Lemgo
In zahlreichen Fachzeitschriften, im Internet und in der Tagespresse wurde bisher schon über das Projekt berichtet. Ein umfangreicher Bericht wurde in der Ausgabe 10/2010 der Zeitschrift kraut&rüben veröffentlicht.
Im Beitrag weist Professor Reinhold Cale von der UNI Hohenheim darauf hin, dass die Zuchterfolge mit der Minimierung der Bio-Phenole bei den neuen Apfelsorten schlechthin Unsinn wäre, weil diese zum einen den Apfelallergikern helfen würden und zum anderen dafür sorgen, dass die Abwehrkräfte des Baumes gegen Pilze und Bakterien gestärkt werden.
Wir danken dem Verlag, dass wir den Bericht hier als Download zur Verfügng stellen dürfen.
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Lemgo, 14. September 2011
RTL AKTUELL
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Lemgo, 03. September 2011
Fernsehteam auf der Streuobstwiese in Lemgo
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Weitere Links zum Thema Apfelallergie
*Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
*Bericht des JKI-Instituts für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst, Dresten.
*European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF)
*In den Niederlanden gab es Untersuchungen zur Neuzüchtung Santana und ihre Verträglichkeit für Allergiker.
Apfelsortenstatistik
Einige verträgliche Apfelsorten sind hier bereits abgebildet. Durch Anklicken der Apfelsorten in der unteren Statistik gelangt man in die Obstsortendatenbank des Bund Lemgo mit Farbtafeln und Beschreibungen der Apfelsorten.
Zu den neueren Sorten gibt es leider keine Farbtafeln. Die Literatur unterliegt noch einem Copyright, zudem verlangen die Verlage hohe Kosten für eine Veröffentlichung der Farbtafeln aus den neuen Büchern.
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| Gravensteiner | Goldparmäne |
Goldrenette Freiherr von Berlepsch |
Minister von Hammerstein |
Schöner aus Boskoop |
Statistik zu verträglichen und unverträglichen Apfelsorten
– nur getestete Sorten, d.h. Sorten, für die es von Allergikern eine Rückmeldung gibt –
Stand: 2011-11
Kontaktadressen und Links
Alles zur Allergologie
Darstellung von ca. 4000 potentiellen Allergenen
www.alles-zur-allergologie.de
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
Fliethstr. 114
41061 Mönchengladbach
Fon (0 21 61) 81 49 4 - 0
Internet: www.daab.de
Allergieportal
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Bundesallee 50
38116 Braunschweig
Fon 030/18444-00311
Internet: www.aktionsplan-allergien.de
Grenzüberschreitende Ernährungsforschung
Das Max Rubner-Institut in Karlsruhe beschäftigt sich mit der Frage der Verträglichkeit von alten Apfelsorten für Allergiker und Diabetiker. Diese alten Sorten werden fast ausschließlich nur noch in Streuobstwiesen angebaut. Die aktuellen Erkenntnisse dieser Forschung findet man unter:
www.nutrhi.net
Wichtiger Hinweis für hochgradig sensibilisierte Allergiker
Uns hat zum Projekt ein wichtiger Hinweis von Prof. Dr. med. R. Stadler, Hautklinik am Klinikum Minden erreicht.
Hochgradig sensibilisierte Allergiker sollten nur mit Zustimmung und Betreuung ihres Facharztes entsprechende Tests mit alten Apfelsorten durchführen, da die Eigenexposition zu erheblichen allergischen Symptomen führen bis hin zur Anaphylaxie.










